Als Genossenschaftsbanken sind die Raiffeisenkassen in erster Linie ihren Mitgliedern verpflichtet.

Die Raiffeisenkassen und das institutsbezogene Sicherungssystem

Im Rahmen der Reform der italienischen Genossenschaftsbanken im Jahre 2016, hätten sich die Südtiroler Raiffeisenkassen zu einer Bankengruppe mit einer Aktiengesellschaft als Spitzeninstitut zusammenschließen müssen. Eine Änderung des Reformgesetzes im Dezember 2018 erbrachte eine Sonderregelung für Südtirol und räumte den Südtiroler Raiffeisenkassen die Möglichkeit ein, anstelle einer Bankengruppe auch ein IPS gründen zu können.

Ein IPS ist in der EU-Verordnung (Nr. 575/2013) als vertragliche oder satzungsmäßige Haftungsvereinbarung (CRR=Capital Requirements Regulation) definiert, die Mitgliedsinstitute absichert und bei Bedarf sicherstellt, dass sie über die Liquidität und Solvenz verfügen, die zur Vermeidung eines Konkurses notwendig sind (Artikel 113, Absatz 7 CRR). Das Sicherungssystem hat die Aufgabe drohende oder bestehende wirtschaftliche Schwierigkeiten abzuwenden. Es soll garantieren, dass ein  Institut jederzeit alle seine Verpflichtungen erfüllen kann, insbesondere jene gegenüber seinen Kunden. Die Eigenständigkeit der einzelnen Raiffeisenkassen wird dabei nicht eingeschränkt.

Die Raiffeisen Südtirol IPS Genossenschaft (IPS Gen.), gegründet von 39 Südtiroler Raiffeisenkassen, der Raiffeisen Landesbank Südtirol AG und der RK Leasing GmbH, wurde als Trägergesellschaft zur Einrichtung und Führung des IPS gegründet. Mit der Genehmigung durch die Banca d’Italia vom 03.11.2020 ist das IPS der Südtiroler Raiffeisenkassen, das erste institutsbezogene Sicherungssystem Italiens. Die Anerkennung durch die Bankenaufsicht setzt einen für die Südtiroler Raiffeisenkassen erfreulichen Schlusspunkt unter einen nun schon mehrere Jahre dauernden Reformprozess.

Der lange Weg zum IPS

2016

 

Im April beschließt die italienische Regierung eine Reform der Genossenschaftsbanken, die auch für die Südtiroler Raiffeisenkassen den Zusammenschluss zu einer Bankengruppe mit einer Aktiengesellschaft als Spitzeninstitut vorsieht.

2018

Auf Druck des Raiffeisenverbands wird im Dezember eine Sonderregelung für Südtirol erwirkt, wodurch den Südtiroler Raiffeisenkassen die Möglichkeit eingeräumt wird, zwischen der Begründung einer Bankengruppe und eines IPS zu wählen.

Die Raiffeisenkassen stimmen aufgrund der tendenziell zentralistischen Ausrichtung einer Bankengruppe für die Errichtung eines IPS.

2019

Im Januar nimmt die Arbeitsgruppe IPS, die den offiziellen Antrag zur Anerkennung des IPS vorbereitet, ihre Tätigkeit auf.

Im Juni gründen 39 Raiffeisenkassen, die Raiffeisen Landesbank Südtirol AG und die RK Leasing GmbH die Raiffeisen Südtirol IPS Genossenschaft – RIPS als Trägerkörperschaft.

Im Dezember wird der Antrag um Anerkennung des Raiffeisen Südtirol IPS als institutsbezogenes Sicherungssystem für Aufsichtszwecke offiziell eingereicht.

2020

Am 3. November erkennt die Aufsichtsbehörde Banca d’Italia offiziell das Raiffeisen Südtirol IPS an. Es tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.

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