Welche Arten von Genossenschaften gibt es?

Die Tätigkeitsfelder der Genossenschaften sind sehr vielfältig und spiegeln die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Gesellschaft wieder. Folgende Arten von Genossenschaften sind die ideale Unternehmensform zur Verwirklichung der entsprechenden Ziele:

a) Dienstleistungsgenossenschaften 

Eine solche Genossenschaft wird meist von Unternehmen oder Freiberufler/-innen gegründet, um bestimmte Dienstleistungen, welche jeder und jede der Teilnehmer/-innen benötigt, zu organisieren. Sie bietet aber auch die Möglichkeit, Dienste der öffentlichen Hand wie z. B. der Gemeinden in Zusammenarbeit mit Vereinen oder anderen Gemeinden zu organisieren. Daraus ergeben sich Größenvorteile, Synergieeffekte und Einsparungspotenziale. Betriebe und freiberuflich Tätige können selbstständig bleiben und gegenüber großen Anbietern geschlossener auftreten und auf dem Markt eine stärkere Position einnehmen.

Zweck: Bereitstellung von Dienstleistungen aller Art für Mitglieder.

Gegenstand: Führung, Miete oder Pacht von Sportanlagen und anderen öffentlichen Einrichtungen, Förderung der Tätigkeit der Mitgliedsvereine, Ausführung von Dienstleistungen für freiberuflich Tätige (z. B. Buchhaltung, Labordienste usw.), Unterstützung der Mitglieder in den Bereichen Verwaltung, Recht und technische Fragen, Führung von übergemeindlichen Strukturen, IT-Dienstleistungen, Aus- und Weiterbildung der Mitglieder u. a. m.

Prävalenz: Mindestens 50 Prozent  der Dienstleistungen müssen von Mitgliedern in Anspruch genommen werden.

b) Energiegenossenschaften

Eine solche Genossenschaft wird meist zur Entwicklung und Erzeugung erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung gegründet. Bürgerinnen und Bürgern wird so die Möglichkeit geboten, sich selbst an der Energieproduktion zu beteiligten. 

Zweck: Energieversorgung der Mitglieder zu günstigen Konditionen.

Gegenstand: Errichtung und Betrieb von Anlagen zur Energieerzeugung, Absatz der gewonnenen Energie in Form von Strom und/oder Wärme, Errichtung und Instandhaltung von Produktionsanlagen sowie Fotovoltaikanlagen, von Leitungs- und Verteilungslinien für Energie sowie anderen Anlagen und Maschinen, Unterstützung und Beratung in Fragen der Energieeinsparung. u. a. m.

Prävalenz: Elektrizitätsgenossenschaften und Heizwerkgenossenschaften müssen mindestens 50 Prozent des gewonnenen Stroms oder der erzeugten Wärme an die Mitglieder abgeben.

c) Konsum- und Bezugsgenossenschaften

Eine solche Genossenschaft wird meist gegründet, um zugekaufte oder selbst produzierte Waren den Mitgliedern zu möglichst günstigen Konditionen zu verkaufen. Die Mitglieder können das Sortiment aktiv mitbestimmen und haben so direkt Einfluss auf die Qualität der Waren und deren Herkunft. Zur Gründung sind mindestens 50 Mitglieder notwendig.

Zweck: Versorgung der Mitglieder mit günstigen Konsum- oder anderen Gütern. 

Gegenstand: Herstellung und Verkauf von mitgliederproduzierten Gütern, Belieferung und Versorgung der Mitglieder mit Waren und Dienstleistungen, Beratung und Schulung von Mitgliedern: z. B. Konsumgenossenschaften im Lebensmitteleinzelhandel und landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaften.

Prävalenz: Mehr als 50 Prozent des Umsatzes werden mit den Mitgliedern erzielt, in Berggebieten mit weniger als 10.000 Einwohner/-innen ist die Prävalenz in jedem Fall gegeben.

d) Landwirtschaftliche Genossenschaften

Eine solche Genossenschaft wird von mehreren Landwirt/-innen oder auch landwirtschaftlichen Unternehmen zur Bündelung der Kräfte für die Erfassung, Be- und Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gegründet. Dadurch können für die angelieferten landwirtschaftlichen Produkte höchstmögliche Preise gezahlt und den Mitgliedern Dienstleistungen wie Beratung usw. zu den bestmöglichen Bedingungen angeboten werden. 

Landwirtschaftliche Genossenschaften nehmen eine bedeutende sozioökonomische Rolle ein, da sie die Allgemeinheit mit hochwertigen Nahrungsmitteln versorgen und als Wirtschaftskraft wesentlich zum Erhalt des ländlichen Raumes beitragen.

Zweck: Vereinigung von Landwirt/-innen zur gemeinsamen Förderung der Landwirtschaft.

Gegenstand: Lagerung, Bearbeitung, Verarbeitung und Verwertung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Mitglieder; Vermarktung im Detail- und im Großhandel, gemeinsamer Ankauf von Bedarfsartikeln, Verbesserung des Pflanzenbaus und der Tierzucht, sowie fachliche Weiterbildung der Mitglieder: z. B. Obst-, Saatbau-, Kellerei- und Sennereigenossenschaften usw. 

Prävalenz: Mehr als 50 Prozent der Zukäufe von Rohstoffen und Waren oder Dienstleistungen (Menge oder Wert) müssen vonseiten der Mitglieder erfolgen. 

e) Produktions- und Arbeiter/-innengenossenschaften 

Eine solche Genossenschaft wird gegründet, um den Mitgliedern eine dauerhafte Beschäftigung unter möglichst günstigen Rahmenbedingungen zu gewährleisten –mit einem guten Einkommen und guten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Die arbeitenden Mitglieder sind somit in einer Person Unternehmer/-in und Arbeitnehmer/-in. Diese Genossenschaften findet man im Bereich des Handwerks und des Dienstleistungssektors oder auch im Falle von Betriebsstilllegungen aus wirtschaftlichen Gründen oder bei fehlender Nachfolge. In den letzten beiden Fällen übernehmen die (entlassenen) Arbeitnehmer/-innen den Betrieb und führen ihn selbst.

Zweck: Schaffung von dauerhafter Beschäftigung mit angemessenen Einkommen und guten Rahmenbedingungen für Mitglieder.

Gegenstand: Errichtung, Übernahme und Führung eines Unternehmens, Ausführung von Arbeiten, Einkauf, Erstellung und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen, z. B. eine Produktionsgenossenschaft mit Reinigungsdienst, Bauarbeitergenossenschaft, Handwerksgenossenschaften usw.

Prävalenz: Mindestens 50 Prozent der Personalkosten müssen auf die Mitglieder entfallen.

f) Soziale Genossenschaften

Eine solche Genossenschaft fördert im Interesse der Gemeinschaft die menschliche Entwicklung und die soziale Integration von gesellschaftlich benachteiligten Menschen. Es werden zwei Kategorien von Sozialgenossenschaften unterschieden:

Genossenschaften des Typs A nehmen sozio-sanitäre, kulturelle und erziehungsbezogene Dienstleistungen wahr.

Genossenschaften des Typs B üben unterschiedlichste Tätigkeiten (in Landwirtschaft, Industrie, Handel und Dienstleistung) aus  zum Zweck der Arbeitseingliederung von sozial benachteiligten Personen, deren Anteil mindestens 30 Prozent betragen muss.

Zweck: Förderung menschlicher Entwicklung oder sozialer Integration von gesellschaftlich benachteiligten Menschen.

Gegenstand: 

Typ A: z. B. Führung und Verwaltung von Altenheimen, Pflegeheimen, Altenwohnungen, Betreuung von Senior/-innen, Erbringung erzieherischer und sozialpädagogischer Dienstleistungen, Beratung und Ausbildung im sozialen Bereich, Führung von Wohnanlagen für sozial benachteiligte Personen, Kinderbetreuung, Führung von Kindertagesstätten, Familienberatung, Führung von Kultur- und Erziehungszentren, An- und Verkauf von Waren und Produkten aus dem fairen Handel usw.

Typ B: z. B. Führung eines Gastronomiebetriebes, einer Werkstätte oder Tischlerei,  Erbringung von Dienstleistungen wie Gebäudereinigung, Landschaftspflege u. a. m.

Prävalenz: Die Prävalenz ist dadurch gegeben, dass die Sozialgenossenschaft im Interesse der Allgemeinheit tätig ist.

g) Wohnbaugenossenschaften

Eine solche Genossenschaft wird gegründet, um ihren Mitgliedern kostengünstig zu Wohnraum zu verhelfen, wobei die Wohnungen nach dem Bau in deren Eigentum übergehen oder angemietet werden können. Die Bauten werden meist in den von den Gemeinden ausgewiesenen geförderten Wohnbauzonen realisiert. Jedes Mitglied kann beim Bau mitbestimmen. Bei einer finanziellen Schieflage eines Mitgliedes kann die Genossenschaft als Bauträger weiterbauen und die Wohnung weitervergeben.

Zweck: Mitgliedern zu günstigem Wohnraum verhelfen.

Gegenstand: Erwerb von Baugründen zum Kauf oder zur Errichtung von Wohnhäusern oder Wohnungen für die Mitglieder und Übertragung der Wohnungen ohne jeden Gewinn. Vermietung von Wohnungen, gemeinsamer Einkauf von Baumaterialien, Möbeln und Einrichtungsgegenständen sowie Förderung und Beratung der Mitglieder. Beispiele sind Wohnbaugenossenschaften, Genossenschaften zum Bau von Mittelstandswohnungen und Tiefbaugenossenschaften.

Prävalenz: Die Erlöse aus Lieferung und Leistungen müssen zu über 50 Prozent von Mitgliedern stammen (z. B. Erlöse aus der Zuteilung der Wohnungen).