Gesetzliche Grundlagen

Im Artikel 45 der Verfassung erkennt der Staat die soziale Funktion der Genossenschaften an und sieht hierfür geeignete Kontrollen vor. In diesem Zusammenhang ist das Regionalgesetz vom 9. Juli 2008 Nr. 5 zu sehen, das in der Region Trentino Südtirol die Genossenschaftsüberwachung regelt. Dazu gehören die zweijährliche Genossenschaftsrevision und die gesetzliche Rechnungsprüfung.

Mit Erlass der diesbezüglichen Durchführungsbestimmungen ist das Gesetz am 1. Jänner 2009 in Kraft getreten. Demnach müssen alle im Landesverzeichnis eingetragenen Genossenschaften alle zwei Jahre der ordentlichen Revision unterzogen werden. Genossenschaften, die Mitglied eines gesetzlich anerkannten Revisionsverbandes sind, müssen von diesem geprüft werden.

Mindestgrößen für die Rechnungsprüfung

Das Regionalgesetz 5/2008 hat im Artikel 40 Mindestgrößen für Genossenschaften eingeführt, bei deren Unterschreitung die gesetzliche Rechnungsprüfung nicht mehr verpflichtend ist. Dies hat für viele Genossenschaften eine wesentliche Erleichterung und auch Kosteneinsparungen mit sich gebracht.

Die gesetzliche Rechnungsprüfung ist für all jene Genossenschaften vorgeschrieben, die ihre Satzungen nach den Regeln der Aktiengesellschaft ausgerichtet haben und zwei der folgenden Größen überschreiten: eine Million Euro Bilanzsumme, zwei Millionen Euro Umsatz und die Beschäftigung von durchschnittlich zehn Mitarbeitern im Jahr (Art. 40 Abs. 1 Reg.Ges. 5/2008). Bei großen Genossenschaften (das sind Genossenschaften, die eine der folgenden Größen überschreiten: sechzig Millionen Euro Umsatz, vier Millionen Euro unaufteilbare Rücklagen oder zwei Millionen Euro an Finanzierungsanleihen), die nicht am Kapitalmarkt tätig sind, muss der Revisionsverband, dessen Mitglied die Genossenschaft ist, die gesetzliche Rechnungsprüfung durchführen.

Historische Grundlagen

Die Autonome Region Trentino-Südtirol hat einen Sonderstatus innerhalb Italiens – auch wenn es um das Genossenschaftswesen geht. 1948 überträgt der Staat der Region die Aufsicht über die in den Provinzen Bozen und Trient ansässigen Genossenschaften. 1950 beschließt der Regionalrat ein erstes Genossenschaftsgesetz, das jedoch vom zuständigen Regierungskommissar blockiert wird.

50 Jahre Erfahrung

1954 wird das Gesetz zur „Überwachung der Genossenschaften“ ein zweites Mal verabschiedet und regelt mehr als 50 Jahre lang den Genossenschaftssektor. Die Revision wird Pflicht und kann von „anerkannten Verbänden“ für die ihnen angeschlossenen Genossenschaften in der Region übernommen werden. Damit wird der Raiffeisenverband zur wichtigsten Revisionsstelle für die Raiffeisen-Genossenschaften in Südtirol.

2008 wird das Regionalgesetz reformiert, die Position des Verbandes bestätigt. Dieser ist heute einer von vier Vertretungsverbänden in Südtirol, die zur Durchführung von Revision und Rechnungsprüfung ermächtigt sind.

Gewissenhafte Überwachung

In vielen Fällen dauert eine Revision länger als eine Arbeitswoche. Schließlich sind viele Südtiroler Genossenschaften große Wirtschaftsunternehmen oder Kreditinstitute, die Vermögen verwalten. Die Überwachung durch den Raiffeisenverband ergänzt daher die interne Kontrolle durch die Aufsichtsräte. Damit Raiffeisenkunden und Raiffeisenmitglieder auch in Zukunft auf ihre Genossenschaften bauen können.