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Weinlese: „Geduld war heuer eine große Tugend“

Stefan Filippi kontrolliert die Anlieferung der letzten Gewürztraminer.

Stefan Filippi, Kellermeister der Kellereigenossenschaft Bozen, ist mit dem Ernteverlauf beim Wein durchaus zufrieden. Das Lesegut zeigt einen besseren Zustand als erwartet. Aufgrund des langsamen Reifeprozesses hat sich die Ernte jedoch bis nach Allerheiligen hingezogen.

Die Weißweinernte ist bereits abgeschlossen. Sind sie zufrieden?
Stefan Filippi: Wir können von Glück sprechen, dass wir in den letzten Wochen eine äußerst günstige Witterung hatten. Warme Tageswerte und kühle Nachttemperaturen haben besonders den Weißweinsorten in höheren Lagen gut getan. Die Trauben sind gesund und knackig und der Reifezeitpunkt ist erreicht.

Im August sah es anders aus.
Ja, wir hatten zeitweilig eine sehr feuchte und kühle Witterung. Deshalb war die Laubarbeit im Weinberg besonders wichtig und auch der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Diesbezüglich sind wir unseren Mitgliedsbauern auch immer wieder beratend zur Seite gestanden.

Welche Merkmale stechen heuer besonders hervor?

Dieses Jahr hat uns gelehrt, dass auch Südtirols Weine genügend Säure erzeugen können. Während wir ja in den letzten Jahren geringere Säurewerte zu beklagen hatten. Die Apfelsäure liegt durchschnitt- lich um 1 gr/l höher als im letzten Jahr. Der Weißwein präsentiert sich deshalb sehr frisch und bald trinkfertig.

Wie hoch ist der Ernteausfall durch den starken Hagelschlag, von dem Ende Juli große Teil des Bozner Talkessels betroffen waren?
Dort, wo der Hagel gewütet hat, haben wir leider einen Ausfall von bis zu 50 Prozent zu verzeichnen. Dies betrifft vor allem die Lagrein-Lagen in Gries und Moritzing. Doch der verbliebene Behang hat sich hervorragend entwickelt, dies gilt auch für den Merlot oder Cabernet.
Auch der Magdalener zeigt sich von einer guten Qualität. Wir erwarten zwar eine Mengenreduzierung von zehn bis fünfzehn Prozent, aber die Qualität ist durchwegs gut. Insgesamt werden die Weine heuer aber weniger Körper besitzen.

Wann war die Ernte abgeschlossen?

Heuer musste man Geduld haben. Der Reifungsprozess hat sich im August und September verlangsamt. Es hat keinen Sinn unreife Trauben zu ernten, nur um die Ernte abzuschließen, da dies arbeitstechnisch besser zu handhaben wäre. Die letzten Trauben haben deshalb erst nach Allerheiligen ihren Weg in den Keller gefunden.

Interview: Stefan Nicolini

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