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Vernatsch-Rebe verliert an Boden

Arnold Terzer, Obmann der Kellereigenossenschaft Kurtatsch und des Kellereiverbandes

Während in den 70er Jahren der Vernatsch-Wein als Kalterer See oder Magdalener noch reißenden Absatz fand, befindet sich die Hauptsorte Südtirols in einer Identitätskrise. Der Auszahlungspreis stagniert und der Anbau nimmt ab – eine Ursachenforschung.

Die Anbaufläche des Vernatsch nimmt kontinuierlich ab: im vergangenen Jahr um 56,7 ha. Sein Flächenanteil lag damit bei 29,3%. Am Auszahlungsvolumen war die Hauptsorte jedoch nur zu 21,1% beteiligt. Entsprechend hoch ist daher der Preisabstand zu den restlichen Sorten: Die Rotweine ohne Vernatsch (inkl. St. Magdalener) erzielten einen Durchschnittspreis von 195,86 € pro Doppelzentner, der Vernatsch hingegen nur 96,95 €/dt. Auch die Weißweine lagen mit 177,70 €/dt deutlich darüber. Arnold Terzer, Obmann der Kellereigenossenschaft Kurtatsch und des Kellereiverbandes, schildert die Ursachen.

Raiffeisenverband: Herr Terzer, woran liegt der niedrige Auszahlungspreis beim Vernatsch?
Arnold Terzer: Es gibt da mehrere Gründe. Vor allem junge Menschen trinken lieber einen Weißwein oder einen körperreichen Rotwein. Fakt ist auch, dass viel zu viele Mengen in der Ein-Liter-Flasche vermarktet werden und dadurch die Wertschöpfung gering ist. Deshalb kann man sagen, dass das Problem Haus gemacht ist.

Was schlagen Sie vor?
Die Lösung kann so ausschauen, dass man die Vernatsch-Weine in der Ein-Liter-Flasche nicht als DOC, sondern als Geografische Landweine, als sogenannte IGT einstuft und so vermarktet.

Das würde eine Herabsetzung der Qualitätsbezeichnung bedeuten.
Ja, aber dadurch kann man höhere Ertragerträge anpeilen und auch den Hektarerlös für den Bauer erhöhen. Nur die außergewöhnlich hohe Qualität sollte weiterhin in der 7/10 Flasche angeboten werden.

Wie sollte dann die Vermarktung ausschauen?
Der IGT-Wein, der überwiegend über große Handelsketten nach Deutschland transportiert wird, sollte von allen Kellereigenossenschaften gemeinsam vermarktet werden, was zu einer Stärkung der Verhandlungsposition mit den Großabnehmern führen würde.

Das bedeutet ein einziges Etikett?
Genau. Mit der Bezeichnung „Edelvernatsch, Landwein aus Südtirol“. Die Vernatsch-Weine mit Qualität hingegen müssen wir mit einem effizienten Marketingkonzept als autochtone Rebsorte Südtirols kommunizieren. Die zuständigen Organe im Kellereiverband und die Werbekommission der Handelskammer sollten diese Lösung ausarbeiten.

Interview: Stefan Nicolini

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