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„Wir gehen gestärkt aus der Krise hervor“

Andreas Mair am Tinkhof: „Unser Geschäftsmodell hat sich bewährt.“

Andreas Mair am Tinkhof blickt zuversichtlich in die Zukunft. Im Interview erklärt der Leiter der Hauptabteilung Bankwirtschaft im Raiffeisenverband warum sich das Genossenschaftsmodell gerade in Krisenzeiten besonders bewährt.

Wie sieht die Bilanz der Raiffeisen- kassen für das Jahr 2009 aus?
Andreas Mair am Tinkhof:
Es ist nicht zu leugnen, dass die Wirtschaftskrise Spuren bei den Raiffeisenkassen hinterlassen hat. Dennoch konnten die Turbulenzen an den Finanzmärkten aus eigener Kraft gut bewältigt werden. Die Raiffeisenkassen verfügen  über ein unverändert hohes Eigenkapital und ausreichend Liquidität. Die Gewinne sind zurückgegangen, aber am Gewinn allein darf sich eine Raiffeisen Genossenschaftsbank nicht messen. Erst bei der Erstellung der Jahresbilanz 2009 werden sich die Zahlen konkretisieren. Am Ende wird sich ein Mindergewinn zwischen 50 und 60 Prozent ergeben.

Wo liegen die Ursachen dafür?
Der Hauptgrund ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Damit sinken auch die Erträge aus dem Kreditgeschäft. Zugleich ist der Aufwand im Einlagen- geschäft nicht im selben Ausmaß gesunken. Man will dem Sparer – trotz niedriger Zinsen – eine angemessene Verzinsung seiner Guthaben gewährleisten. Schließlich muss eine Bank in erster Linie ihre Kapitalgeber schützen. Eine weitere Ursache ist die Zunahme der Wertberichtigungen auf ausgereichte Kredite. Die Krise hat die Preisentwicklung bei den Immobilien, vor allem bei gewerblichen Bauten, gebremst. Letztendlich lassen die geringeren Gewinne aber auch den Schluss zu, dass Raiffeisen seine Kunden in schwierigen Zeiten unterstützt.

Gehen die Raiffeisenkassen gestärkt aus der Krise?
Ich bin der Meinung, ja! Während angeschlagene Großbanken wegen spekulativer Geschäfte gestützt oder teilverstaatlicht werden müssen, stehen Genossenschafts- banken wie die Raiffeisenkassen vergleichsweise gut da. Unser Geschäftsmodell hat sich bewährt. Das liegt daran, dass Raiffeisen reichlich von dem hat, was überall auf der Welt derzeit Mangelware ist: Liquidität, Eigenkapital und das Vertrauen der Kunden.  

Glauben Sie, dass sich aufgrund der enormen Schuldenberge der Staaten eine Inflation als Lösung anbietet?
Theoretisch schon, eine hohe Inflation wäre ein probates Mittel für die Entschuldung der Staaten. Andererseits wären aber die Nebenwirkungen z.B. auf das Renten- system fatal. Deshalb glaube ich nicht, dass dies geschehen wird.

Interview: Stefan Nicolini

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