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"Unsere Stärke ist die lokale Verantwortung"

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol

Der Raiffeisenverband Südtirol als Dachorganisation von knapp 400 Genossenschaften blickt auf ein gutes Geschäftsjahr 2008 zurück. Die Raiffeisenorganisation erweist sich gerade in schwierigen Zeiten als Stabilitätsfaktor, sagt Generaldirektor Paul Gasser anlässlich der Verbandsvollversammlung am 12. Juni.

 

Herr Generaldirektor Gasser, wie sieht die Bilanz der Raiffeisen-Genossenschaften im Geschäftsjahr 2008 aus?
Trotz widriger Umstände weisen die Raiffeisen-Genossenschaften durchwegs positive Ergebnisse auf. Mit einer Bilanzsumme von 12 Mrd. Euro, einer Wertschöpfung von 1 Mrd. Euro und über 7.000 attraktiven Arbeitsplätzen stellt das Genossenschaftswesen in Südtirol einen maßgebenden Wirtschaftsfaktor dar.

 

Worin sehen Sie die besondere Stärke der Raiffeisen-Genossenschaften?
Die Stärke der Raiffeisenorganisation liegt in der lokalen Verankerung. Die 381 dem Raiffeisenverband angeschlossenen Genossenschaften und Körperschaften sind ihren 115.000 Mitgliedern verpflichtet, arbeiten in überschaubaren Geschäftskreisen und fördern so am besten die örtliche Wirtschaft. Das ist gerade in schwierigen Zeiten ein wichtiger Vorteil für die Menschen vor Ort.

 

Wie zeigt sich die Entwicklung in den einzelnen Sparten?
2008 war sicher ein Jahr der Gegensätze. Während sich international die Wirtschaftskrise breit machte, konnten unsere Genossenschaften insgesamt noch gute Ergebnisse einfahren. Dies sowohl bei den Raiffeisenkassen als auch bei den Warengenossenschaften, wo vor allem die Sektoren Obst, Wein und Milch vergleichsweise hohe Auszahlungspreise erzielen konnten.

 

Die Raiffeisenkassen halten einen Marktanteil von 40%. Wie sehen die Bilanzen 2008 aus?
Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten haben dazu geführt, dass die Raiffeisenkassen einen verstärkten Vertrauenszuspruch erhielten. Dadurch konnten sie bei den Einlagen einen Zuwachs von knapp 10% auf 8,32 Mrd. Euro erzielen. Die Ausleihungen sind mit knapp 5% zum zweiten Mal in Folge weniger stark gewachsen als die Einlagen und erreichten 7,84 Mrd. Euro. Diese Entwicklung hat etwas zur Entspannung der Liquiditätsgebarung beigetragen, auch wenn die verfügbaren Kundeneinlagen zu 100% als Kredite vergeben sind.

 

Warum ist eine hohe Eigenkapitalausstattung der Banken wichtig?
Mit einem Eigenkapital in Höhe von 15% der Bilanzsumme haben die Raiffeisenkassen im Vergleich zu anderen Banken, bei denen dieser Wert selten an die 8 Prozent-Marke herankommt, eine sehr gute Eigenkapitalausstattung. Diese ist gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, in der es auch zu vermehrten Kreditausfällen kommt, wichtig. Sie erhöht die Handlungsfähigkeit und gibt den Einlegern Sicherheit.

 

 

Der Raiffeisenverband hat die strategische Führungsfunktion in der Raiffeisenorganisation inne. In welche Richtung geht es in Zukunft?
Wir arbeiten an einem Arbeitsdokument, in dem die strategische Ausrichtung bis zum Jahr 2013 definiert wird. Die darin festgeschriebenen Ziele und Maßnahmen weisen den Weg der programmatischen Arbeit für die nächsten Jahre. Mein Bestreben ist es, den Raiffeisenverband und die Raiffeisenorganisation erfolgreich voranzubringen, auf Bewährtem aufzubauen aber auch Neues zu wagen.

 

Interview: Thomas Hanni

Zum Bericht des Raiffeisenverbandes über das Geschäftsjahr 2008

 

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