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News: „Historische Chance verpasst“

Rudi Rienzner: Enttäuschung über die Konzessionsvergabe bei den Wasserkraftwerken.

Elf Konzessionen für die Erzeugung von 1,8 Milliarden Kilowattstunden Energie durch Wasserkraft hat die Landesregierung am 30. Dezember 2009 vergeben. Neun dieser Konzessionen gingen an die SEL AG. Der Raiffeisen Energieverband kritisiert die Entscheidung und spricht von einer verpassten Chance.

Zum ersten Mal wurden die Wasserkonzessionen, die für die nächsten 30 Jahre gelten, vom Land über einen Wettbewerb vergeben. Die Projektwerber mussten einen Plan zur technischen Verbesserung und einen Umweltplan vorlegen. Begutachtet wurden die Projekte, außer von den zuständigen Ämtern, auch durch die Ufergemeinden und den Beirat für die Umweltverträglichkeitsprüfung. Ein Gespräch mit Rudi Rienzner, Geschäftsführer des Raiffeisen Energieverbandes.

Herr Rienzner, was sagen Sie zu dieser Entscheidung der Landesregierung?
Rudi Rienzner:
Die Konzessionsvergabe war nicht überraschend. Man wusste bereits vorher, wer die Konzessionen bekommt. Wir als Raiffeisen Energieverband vertreten 140 Mitglieder. Darunter einige, die sich beworben haben und nicht zum Zuge gekommen sind.

Was hätte Ihre Meinung anders laufen müssen?

Es wurde in den letzten Jahren eine Riesenchance verpasst. Mit der Liberalisierung des Strommarktes Ende der 90er Jahre hätte man die Energielandschaft in Südtirol neu aufstellen und harmonisieren können - und zwar alle Akteure in diesem Markt gemeinsam. Man hätte dabei die Erfahrungen nutzen können, die viele Energie- unternehmen und Genossenschaften in den vergangenen 100 Jahren gesammelt haben.

Die SEL wurde von der Landesregierung gegründet. Braucht es diese Gesellschaft überhaupt?

Ich denke, die Gründung ist in dieser Form sicher nicht notwendig gewesen. Das Gesetz aus dem Jahre 1977 sieht vor, dass das Land eine koordinierende Aufgabe übernimmt. Die Aufgabe der Politik ist die Rahmenbedingungen zu schaffen, nicht mehr.

Glauben Sie, dass es eine scheindemokratische Konzessionsvergabe war?

Das ist sehr schwer zu sagen. Auffällig ist nur, dass ein Betrieb, der vor zehn Jahren gegründet wurde, zum Zuge gekommen ist - gemeinsam mit den Energie- kolossen, die wir früher bekämpft haben. Zum Zuge gekommen ist keine Genossenschaft und kein Betrieb mit Tradition und Erfahrung wie die Stadtwerke Brixen oder Bruneck.

Es werden heuer noch weitere Konzessionen neu vergeben. Bleiben Sie am Ball?
Die Ausschreibung dazu hat bereits vor einigen Jahren stattgefunden. Deshalb wird es auch da keine Überraschungen geben. Es wird so sein, dass die bereits bestehenden Konzessionäre große Vorteile haben werden. Es wird sich also nicht sehr viel ändern.

Interview: Stefan Nicolini

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