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Genossenschaften gegen die Krise

Barbara Repetto, Landesrätin für Genossenschaftswesen.

Die neue Landesrätin für das Genossenschaftswesen, Barbara Repetto vom Partito Democratico (PD) spricht über Aufgaben, Ziele und Perspektiven für das Genossenschaftswesen in Südtirol.

Die Boznerin Barbara Repetto, Mutter dreier Kinder, studierte Literaturwissenschaften an der Universität Bologna. Sie war bisher Koordinatorin des Dienstes für den Europäischen Sozialfonds und Ressortdirektorin für Arbeit, Innovation, Forschung, Genossenschaftswesen und italienische Berufsbildung. Nun steigt sie in genau diesem Ressort als Landesrätin aktiv in die Politik ein.

Die Finanzkrise bereitet vielen Menschen Sorgen. Welche Antworten kann die Politik geben?
Barbara Repetto: Zunächst einmal gilt es, ein Klima des Vertrauens zu bewahren und die Investitionen der Privatwirtschaft und der Öffentlichen Hand zu begünstigen. Hier spielen auch die Lokalbanken, darunter die Raiffeisenkassen, eine herausragende Rolle - an ihnen liegt es, Unternehmen und Familien die nötige Liquidität zu garantieren. Die Autonome Provinz Bozen engagiert sich in diesem Zusammenhang, indem sie die Garantie- und Rotationsfonds aufstockt. Bei Arbeitnehmern, die den Arbeitsplatz riskieren oder ihn schon verloren haben, heißt das oberste Gebot Weiterbildung und Umschulung.

Welchen Beitrag können die Genossenschaften leisten?
Ihr Beitrag kann je nach Sparte verschieden sein. Bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften stehen die Qualität der Produkte und deren Verarbeitung und Lagerung sowie ein zeitgemäßes Marketing im Mittelpunkt.
Bei den Genossenschaftsbanken spielt deren Wissen um die lokalen Unternehmen und das gegenseitige Vertrauen eine bedeutende Rolle. Im Dienstleistungssektor besteht die Stärke in der Flexibilität der Genossenschaftsmitglieder, die gleichzeitig Arbeitskräfte sind.
Baugenossenschaften sind in der Lage, auf die Erfordernisse im Wohnbau zu annehmbaren Preisen zu antworten und dem Baugewerbe neuen Schwung zu geben. Und schließlich sind da die Sozialgenossenschaften, die sich um die Wiedereingliederung benachteiligter Menschen in die Arbeitswelt kümmern.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Arbeit setzen?
Damit die Genossenschaften einen strategischen, sozioökonomischen Pfeiler der Südtiroler Wirtschaft bilden können, ist eine Zusammenarbeit zwischen den Verbänden, welche die Genossenschaften vertreten und dem zuständigen Assessorat unumgänglich. Ich möchte deshalb die genossenschaftlichen Schalt- stellen in die gesetzgeberischen Prozesse einbinden und habe dafür bereits einen runden Tisch ins Leben gerufen.

Weltweit findet ein Konzentrationsprozess von Unternehmen zu größeren Einheiten statt. Sind Fusionen auch für Südtiroler Genossenschaften der richtige Weg?
Fusionen verbessern vielfach die Effizienz und bieten Vorteile in Bezug auf mögliche Synergien: Eingesparte Mittel können in Innovation und in den Ausbau der Vertriebs- kanäle investiert werden. Es ergeben sich allerdings auch Risiken: So besteht beispielsweise die Gefahr, dass der Verwaltungsapparat aufgeblasen wird, anstatt zu schrumpfen, oder dass es Missverständnisse gibt, wenn verschiedene unternehmerische Ansätze und Kulturen aufeinandertreffen.

Die Obstkonsortien Südtirols und jene des Trentino wollen auf dem globalen Markt eng kooperieren. Kann das ein Vorbild auch für andere Sektoren sein?

Um komplexe und entfernte Märkte zu erobern, ist es oft nötig, Know-how zusammenzulegen und Aufwand und Risiken zu teilen. Genossenschaften sind lernfähige Organismen, sowohl unter dem technischen als auch unter dem verwaltungstechnischen Gesichtspunkt. Verbindungen dieser Art können durchaus auch gute Ergebnisse in der Weinwirtschaft bringen.

Interview: Stefan Nicolini

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