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„Auf 2013 sollte man sich gut vorbereiten!“

Franz Fischler rät zu mehr Zusammenarbeit in den Berggebieten.

Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler skizziert Entwicklungen, die nach dem Wegfall der Milchquoten 2013 auf die Berglandwirtschaft zukommen könnten. Fischler hielt dazu kürzlich auf Einladung der Kammer der Agronomen und Forstwirte Südtirols einen Gastvortrag in Bozen.

Sehr geehrter Herr Fischler, welche Gefahren sehen Sie nach dem magischen Datum 2013?
 Franz Fischler:
Durch den Wegfall der Milchquoten ist ein deutliches Risiko vorhanden, dass sich die Milchproduktion sehr stark in die Gunstlagen Europas verlagert. Hinzu kommt, dass es noch zu wenig gelingt, die spezifischen Anliegen, aber auch die besonderen Stärken der Bergbauern nach außen zu transportieren. Dort, wo es keinen Tourismus oder andere Erwerbsquellen gibt, könnte es im schlimmsten Fall sogar zu einem Zusammenbruch der Strukturen kommen.

Wo liegen die Chancen für die Berglandwirtschaft?
Man sollte die gesellschaftlichen Sympathien für die Berglandwirtschaft stärker nutzen. Aus ihrer naturnahen Produktionsweise lassen sich Marketingargumente entwickeln, mit der man spezielle Marken für die Berggebiete schaffen kann. Es muss viel stärker als bisher erkennbar sein, dass ein Produkt aus der Alpenregion stammt. Auch deshalb wird die Zusammenarbeit der Bergregionen immer wichtiger werden.

In der Schweiz gibt es bereits seit Jahren ein  ausgeklügeltes Marketingkonzept für die Bergbauern. Ein Vorbild auch für uns?

Südtirol und Tirol wären gut beraten, wenn sie sich genau anschauen würden, was die Schweizer machen. Wir haben zum einen ziemliche Überkapazitäten, die die Produktionskosten verteuern. Außerdem macht man sich gegenseitig Schwierigkeiten auf dem Markt, statt sich zu unterstützen. In Tirol wird zum Beispiel immer wieder versucht, die Preise der Südtiroler Molkereiprodukte zu unterbieten. Das ist eine sehr kurzsichtige Politik. Man müsste sich gemeinsam überlegen, wie man die Marke Tirol als Synonym für die Alpenregion besser nutzen kann.

Worauf müssen sich die Sennereigenossenschaften einstellen? Was bedeutet die Aufhebung der Milchquoten für den einzelnen Milchbauern?
Es ist sicher eine Illusion zu glauben, dass man die riesige Palette an Milchprodukten, die Südtirol derzeit anbietet, halten kann. Damit wird man nicht mehr wettbewerbsfähig sein. In punkto Mitglied sollte man frühzeitig überlegen, wie der Liefervertrag des einzelnen Bauern mit der eigenen Genossenschaft ausschaut. Man wird genauere Absprachen brauchen, die auch die Frage beinhalten, was man mit der Übermilch tut. Je früher man da Klarheit schafft, umso besser ist es für alle Beteiligten.

Interview: Stefan Nicolini



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