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„Jeder kann selbst entscheiden"

Vizedirektor Paul Gasser: „Finanzielles Polster nach dem Arbeitsleben sichern“.

Abfertigung – was tun? Paul Gasser, Vizedirektor des Raiffeisenverbandes, über die Vorteile und die wichtigsten Prinzipien der Abfertigungsreform.

Was ändert sich durch die Abfertigungsreform für die Arbeitnehmer?
Paul Gasser: Durch die Reform ist unmissverständlich klargestellt worden, dass die Abfertigung dem Mitarbeiter gehört und er allein bis zum 30. Juni entscheiden kann, wohin sein Geld soll. Also weder der Arbeitgeber noch die Gewerkschaften oder sonst wer hat über dieses Geld zu entscheiden.

Und das Geld hat eine ganz bestimmte Zweckbindung?
Genau. Man stellt mit der Reform klar, dass dieses Geld auf die hohe Kante gelegt wird, damit man am Ende seines Arbeitslebens ein finanzielles Polster hat. Bisher hat man die Abfertigung am Ende des Arbeitsverhältnisses jedes Mal auf die Hand bekommen und nicht selten auch gleich wieder ausgegeben. Wenn man später effektiv aus dem Arbeitsleben ausschied, fehlte das Geld. Mit dem neuen Gesetz wird das ausgeschlossen.

Gibt es also keinen Zugriff auf die Abfertigung mehr?
Generell gilt, dass ich erst Zugriff auf das Geld habe, wenn ich das Rentenalter erreicht habe. Es gibt aber einige Ausnahmen. Ich habe etwa Zugriff beim Ankauf einer Erstwohnung, beim Bau eines Hauses, im Falle der Arbeitslosigkeit oder im Krankheitsfall.

Kann man zwischen den Fonds wechseln?
Man muss mindestens zwei Jahre bei einem Pensionsfonds bleiben. Das ist deshalb sinnvoll, weil es für die Finanzverwalter ansonsten unmöglich wird, eine vernünftige Kalkulation zu machen.

Was unterscheidet geschlossene und offene Pensionsfonds?
Für die geschlossenen Fonds spricht, dass sie geringere Verwaltungsspesen haben. Sie haben aber eine schwerfälligere Entscheidungsfindung durch den dort notwendigen Verwaltungsrat. Bei den offenen Pensionsfonds muss man hingegen genau auf die Verwaltungsspesen schauen. Sie sind dafür aber viel dynamischer. Mit der Gleichstellung geschlossener und offener Fonds ist eine gewisse Konkurrenz in den Sektor gebracht worden. Das wirkt sich auf beiden Seiten positiv aus. Die geschlossenen Fonds sind gezwungen, dynamischer zu werden und die offenen Fonds müssen schauen, dass sie preislich konkurrenzfähig sind.

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