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„Erneuerbare Energien sind langfristige Investments“

Fondsmanager Andreas Nigg: “Höheres Risiko, höheres Renditepotential“

Sonne, Wind, Wasser und Biomasse – ist die Investition in erneuerbare Energien auch für Anleger interessant? Diese Frage erläuterte Andreas Nigg, Vize-Direktor bei Vontobel CFA in Zürich, bei einer Veranstaltung des Raiffeisen InvestmentClubs auf der Trostburg.

Herr Nigg, 2050 sollen erneuerbare Energien die Hälfte des Energiebedarfs decken. Derlei Prognosen müssten Anlegern interessante Möglichkeiten eröffnen, oder?
Andreas Nigg: Es ist schwierig, für 2050 eine Prognose zu erstellen. Trotzdem rechnen wir mit einem Szenario, wo erneuerbare Energien deutlich schneller wachsen. Unternehmen, die gut positioniert sind, dürften auch in Zukunft für Anleger interessant sein.  

Bisher scheint die Investition in erneuerbare Energien bei den Anlegern noch nicht so verbreitet zu sein. Woran liegt das?
Einerseits ist der Bereich noch nicht so lange an der Börse, andererseits zeichnen sich viele Unternehmen sicher nicht durch eine günstige Bewertung aus. Hier werden Erinnerungen an die Zeit der Technologie- und Internetblase wach. Die Anlegerschaft ist deshalb vorsichtiger mit neuen Themen.  

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem damaligen „Neuen Markt“ und den erneuerbaren Energien heute?
Die Bewertung diverser Aktien am "Neuen Markt" waren wirklich übertrieben. Die Bewertungen bei den meisten Aktien der erneuerbaren Energien sind zwar nicht gerade billig, lassen sich aber wegen des ausgewiesenen Wachstums bei Umsatz und Gewinn besser nachvollziehen. Außerdem wird erneuerbare Energie von den meisten Regierungen unterstützt. Die CO2-Diskussion hat eine Sensibilisierung breiter Bevölkerungsschichten erreicht, die im "Neuen Markt" so nicht vorhanden war.  

Als Anleger lässt sich kaum nachvollziehen, wie das eigene Geld investiert wird. Kann man hier ein ruhigeres Gewissen haben als bei der Investition in gewohnte Aktiensegmente?
Sicher ist der CO2-Ausstoß bei erneuerbaren Energien tiefer; so gesehen kann dies für ein ruhigeres Gewissen sorgen. Allerdings ist dies keine Garantie, dass Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, auch allgemein immer ethisch handeln und vor Korruption gefeit sind.  

Sind Investments in erneuerbare Energien auch noch interessant, wenn der Ölpreis wieder deutlich sinken sollte?
Je tiefer der Ölpreis, desto länger braucht es, bis erneuerbare Energien ohne Subventionen konkurrenzfähig sind. Trotzdem bleiben sie vor allem wegen der CO2-Emissionen der traditionellen Energiequellen ein Thema - auch bei tieferen Ölpreisen.

Worauf sollten Anleger bei der Investition in erneuerbare Energien achten?
Wir empfehlen, in Unternehmen zu investieren, die eine führende Position im Markt vorweisen. Bei der Bewertung empfehlen wir, Kennzahlen wie das Kurs/Gewinnverhältnis zum erwarteten Wachstum zu vergleichen. Der Bereich erneuerbare Energien darf durchaus bis zu 5% in einem Anlagevermögen betragen. Das hängt aber stark von der eigenen Risikofähigkeit ab, denn das Risiko dieser Anlageklasse ist deutlich über dem Durchschnitt, aber eben auch das Renditepotential. Wer hier investieren will, sollte also einen überdurchschnittlich langen Anlagehorizont ins Auge fassen.  

Interview: Thomas Hanni

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