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Die Genossenschaft – Teil 2: Der Verwaltungsrat

Alois Zelger, Hauptabteilungsleiter für Allgemeines Recht im Raiffeisenverband

Wie ist eine Genossenschaft aufgebaut: Welche zentralen Organe hat sie? Welche Vorteile bringt sie? Im zweiten Teil der Serie beleuchtet Alois Zelger, Hauptabteilungsleiter für Allgemeines Recht im Raiffeisenverband, die Rolle des Verwaltungsrates.

Der Verwaltungsrat ist ein vom Gesetz vorgesehenes Kollegialorgan, das beschlussfähig ist, wenn die Mehrheit der im Amt befindlichen Mitglieder anwesend ist. Immer wenn das Gesetz von „amministratori“ spricht, ist der Verwaltungsrat gefordert. Dieser beruft u. a. die Vollversammlung ein, kann aber auch deren Beschlüsse anfechten. Die Beschlüsse des Verwaltungsrates können wiederum vom Aufsichtsrat oder von Verwaltungsratsmitgliedern angefochten werden, die abwesend waren oder mit „nein“ gestimmt haben. Die Verwaltungsräte sind nicht als von der Vollversammlung Beauftragte zu sehen, sondern leiten ihre Befugnisse direkt aus dem Genossenschaftsvertrag ab.

Interessenkonflikt

Hat ein Verwaltungsratsmitglied an einem Geschäft der Genossenschaft ein direktes oder indirektes Interesse, muss es dem Verwaltungsrat alle Details dazu mitteilen. Der Verwaltungsrat muss in diesem Falle die Gründe und die Vorteile der Beschlussfassung im Protokoll festhalten. Teilt ein Verwaltungsrat sein Interesse nicht mit oder war seine Stimme ausschlaggebend, ist der Beschluss binnen 90 Tagen vom Verwaltungs- oder Aufsichtsrat anfechtbar, wenn das beschlossene Geschäft zweifelhaft ist.

Einzelbefugnisse

Die Mitglieder des Verwaltungsrats sind verpflichtet, sich bei ihrer Tätigkeit ausreichend zu informieren, und sie können von den beauftragten Organen (z.B. Vollzugsausschuss) verlangen, dass dem Verwaltungsrat Auskünfte über die abgewickelten Geschäfte der Genossenschaft erteilt werden.

Umsicht und Sachverstand
Die Verwaltungsräte haben die ihnen laut Gesetz und Statut auferlegten Pflichten mit Sorgfalt zu erfüllen. Dies betrifft vor allem die berufliche Sorgfalt (diligenza professionale) bei der Führung eines Betriebes. Dazu gehört die Beachtung der Prinzipien der Umsicht (prudenza) und des Sachverstandes (perizia). Das bedeutet, dass keine Risikogeschäfte getätigt werden und der Betrieb unter Berücksichtigung seiner Größe und seines speziellen Gegenstandes mit jenem technischen Wissen, das für eine fehlerfreie Geschäftsführung erforderlich ist, zu führen ist.

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