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Agrarprodukte: Vom Bauern zum Finanzmanager. Wer macht Geld mit Mais, Weizen und Co.?

Die Preise für Agrarprodukte kennen derzeit nur einen Weg: den nach oben. Martin von Malfér, Finanzexperte der Raiffeisen Landesbank, beleuchtete anlässlich einer Veranstaltung des Raiffeisen InvestmentClubs im Raiffeisen-Forum im Eppaner Lanserhaus die vielfältigen Gründe der rasanten Teuerung und zeigte Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Agrarrohstoffe auf.

Herr von Malfèr, stimmt es, dass Spekulationen und Biosprit unsere Lebensmittel verteuern?
Konkrete Zahlen zum Ausmaß der Spekulation auf Lebensmittel gibt es nicht. Man weiß, dass internationale Finanzanleger letzthin vermehrt auf Agrarrohstoffe setzen, was sicherlich zu einer Zusatznachfrage führt. Allerdings sind die zur Verfügung stehenden Finanzinstrumente im Agrarmarkt eher gering, sodass keine generelle Aussage hierzu angebracht ist. Ein wichtigerer Faktor ist der hohe Erdölpreis, der die Nachfrage nach alternativen Energieträgern, also Ethanol und Biodiesel rapide anwachsen lässt. Wenn man bedenkt dass über 30% der Maisproduktion in den USA bereits zu Sprit verarbeitet werden und die EU 18% der landwirtschaftlichen Fläche für die Biodieselproduktion vorsieht, versteht man, dass Erdöl und Agrarpreise stark zusammenhängen.

Was sind die wesentlichen Gründe für den Preisanstieg?
Der wichtigste Faktor ist die steigende Weltbevölkerung. Jährlich nimmt diese um 80 Mio. Menschen zu, die allesamt ernährt werden müssen. Daneben führt der enorme Anstieg des Wohlstands in vielen Schwellenländern unweigerlich zu einer reichhaltigeren Diät als vor 10 Jahren. Drittens ist seit den Siebzigerjahren keine nennenswerte Ausdehnung der Agrarflächen mehr erfolgt. Im Gegenteil, die progressive Urbanisierung und die Versteppung frisst in vielen Ländern jährlich Millionen Hektar Kulturgrund. Letztlich spielen zunehmende Klimakapriolen eine gewichtige Rolle. Wir erleben Jahrhundertdürren und Jahrhundertüberschwemmungen, an vielen Orten der Welt die Ernten vernichten.

Wie kann ein Anleger an diesen Entwicklungen mitverdienen?
Bei den Agrarmärkten handelt es sich um sehr komplexe und volatile Märkte. Allein auf einzelne Produktkategorien zu setzen kann leicht daneben gehen. Sinnvoller sind daher Anlagen in Agrarindexfonds oder -zertifikaten. Auch aktiv verwaltete Investmentfonds auf Agrarprodukte können interessant sein. Anfang Juli wurde ein solcher Fonds, der Parvest Agriculture Fonds, in Italien zugelassen. Unternehmen, die indirekt vom Agrarboom profitieren, wie Landmaschinen-, Dünger-, Spritzmittel- und Saatgutproduzenten sind ebenfalls interessant. Tatsächlich haben sich diese in den letzten 12 Monaten entgegen dem Gesamtmarkt sehr gut entwickelt. Die Aktien- und Anleihenmärkte der Nationen mit starker Agrarkomponente, wie die Brasilien, die Ukraine oder Argentinien runden das Bild ab. Deren Aussichten sind vielversprechend.

Interview: Christa Ratschiller

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