Presseempfang 2017: "Herausforderung Islam - Wie die Flüchtlingskrise Europa verändert"

Der deutsche Journalist und ARD-Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber sprach am 16. März beim jährlichen Presseempfang des Raiffeisenverbandes im Bozner Parkhotel Laurin.

Schreiber, geboren 1979 in Cuxhaven, gilt als gefragter Experte zur Flüchtlingskrise und zum Islam. Er spricht fließend Arabisch und wurde im Vorjahr für seine Moderation der deutsch-arabischen n-tv-Sendung "Marhaba - Ankommen in Deutschland" mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Für diese Sendung habe er ebenso viel Zustimmung wie Ablehnung erfahren.

Schreiber lebte viele Jahre als Journalist und Reporter in Syrien, Libanon und Dubai und hat u. a. für das ZDF, Arte und die Deutsche Welle gearbeitet. 2006 arbeitete Schreiber als Reporter für die libanesische Tageszeitung Daily Star in Beirut.

Von 2009 bis 2011 war Schreiber als Medienberater für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt tätig. Er begleitete zahlreiche Politiker auf ihren Nahostreisen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, den ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso und Ex-Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Schreiber betonte beim Presseempfang des Raiffeisenverbandes Südtirol u. a., dass man sich erst am Anfang einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Debatte befände, wie mit der Flüchtlingsproblematik und der starken Zuwanderung muslimischer Flüchtlinge in Europa umgegangen wird. Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung müssten jedenfalls sehr ernst genommen werden. Er bedauerte, dass keine gemeinsam europäische Lösung der Flüchtlingskrise zustande gekommen sei.

Schreiber berichtete auch von seinen neuen Projekten - einer neuen TV-Sendung und einem neuen Buch. Dafür habe er über mehrere Monate unzählige Moscheen quer durch Deutschland besucht und dabei den Eindruck gewonnen, dass in den Predigten häufig Feindbilder gegen die Lebensweise in Europa aufgebaut würden. Mit seinem Buch wolle er auch zu mehr Transparenz beitragen. "Was bringen Integrationsbestrebungen, wenn man nicht weiß, was in den Moscheen tatsächlich gepredigt wird", meinte Schreiber. Die Moscheen seien aber der einzige Ort, an denen sich zugewanderte Moslems regelmäßig treffen. Und die Moscheen würden vor allem auf junge Moslems eine starke Anziehung und Sogwirkung ausüben, weil sie Halt und Richtung bieten. Integrationsbestrebungen sollten daher auch in den Moscheen stattfinden, meinte Schreiber.

Die Demokratiebewegungen in den islamischen Staaten hätten sich laut Schreiber bis auf weiteres nahezu erledigt. Was die Einschränkung der persönlichen Freiheiten anbelange, sei das Ende der Fahnenstange wohl noch nicht erreicht. Europa könne es aber schaffen, dem wieder Leben einzuhauchen, Aufklärung und modernes Leben vermitteln. Europa habe zwar keine Verpflichtung, aber die Möglichkeit dazu beizutragen, dass sich der Islam reformieren kann.

Presseempfang 2016: "Konsens und Widerstand"

Gast am 6. Raiffeisen Presseempfang war der Journalist und Vatikanexperten Marco Politi.

Am 25. Februar fand im Bozner Hotel Laurin der 6. Raiffeisen Presseempfang statt, zu dem der Raiffeisenverband HerausgeberInnen, ChefredakteurInnen und JournalistInnen der Südtiroler Medien geladen hatte.Der Abend war Papst Franziskus und den Reformen der Kirche gewidmet. Reformen, Veränderungen und Neuausrichtung treffen nicht nur das päpstliche Umfeld, sondern dominieren derzeit Wirtschaft und Medien - und das Genossenschaftswesen. Der Journalist Marco Politi, Hauptreferent des Abends, bringt den Umgang mit Reformen von Papst Franziskus auf den Punkt: "Franziskus revolutioniert nicht nur die Kirche, sondern mischt sich als aufmerksamer Mahner auch politisch ein. Dadurch macht er sich innerhalb und außerhalb des Vatikans nicht nur Freunde. Ob es ihm gelingt, seinem Reformansatz langfristige Wirkung zu verleihen, bleibt offen. Sein Wille, den Wandel in die Wege zu leiten, ist jedenfalls ungebremst", so Politi. Im Anschluss an den Vortrag moderierte Don Mario Gretter, Beauftragter für den interreligiösen Dialog in der Diözese Bozen-Brixen, die Diskussionsrunde. " Der Papst möchte keinen Umbruch von oben erzwingen, sondern fordert alle kirchlichen Vertreter auf, konstruktive Lösungsvorschläge für dringliche Probleme zu erarbeiten und dabei neue Wege zu beschreiten", ergänzt Gretter. Der Obmann des Raiffeisenverbandes Herbert Von Leon unterstrich: "In wichtigen Fragen scheint diesem Papst Barmherzigkeit wichtiger als katholische Dogmen. Er greift auf unkonventionelle Ansätze zurück und schafft es damit, Dinge auch gegen den Widerstand eines rigiden Systems zu ändern", so Von Leon. Einen Wandel gibt es auch im Genossenschaftssektor: "Veränderungen stellen eine große Herausforderungen dar und bringen Verunsicherung mit sich. Das erleben wir derzeit mit der Reform der Genossenschaftsbanken", so Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Paul Gasser in seinen Abschlussworten. Trotz allem stehen die Raiffeisen-Genossenschaften solide da, ein Zeichen der Stärke und Kontinuität des genossenschaftlichen Geschäftsmodells.

Marco Politi: Das atemberaubende Tempo von Papst Franziskus

Gast des 6. Presseempfang des Raiffeisenverbandes war Vatikanexperten Marco Politi mit Neuigkeiten zu Papst Franziskus und seine Reformen.

Presseempfang 2015: „Gewalt und die besondere Rolle der Medien“

Viele Herausgeber, Chefredakteure und Journalisten der Südtiroler Medien waren auch heuer wieder der Einladung des Raiffeisenverbandes zum traditionellen Presseempfang ins Bozner Hotel Laurin gefolgt. Dabei stand das aktuelle Thema „Gewalt und die besondere Rolle der Medien“ im Fokus.

Gastredner war Alois Vahrner, Chefredakteur der „Tiroler Tageszeitung“, der in seinem Referat auf den schwierigen Spagat zwischen der Informationspflicht der Medien einerseits sowie die möglichen Auswirkungen auf die Nachrichtenempfänger andererseits, einging. „Was passiert passiert und muss durch Medien nüchtern und kritisch reflektiert an die Öffentlichkeit gebracht werden“, meinte Vahrner. Gleichzeitig betonte er, wie wichtig es ist, dass sich Medien nicht von Tätern instrumentalisieren lassen, denn viele suchen durch ihre Taten die Öffentlichkeit und haben leider auch Nachahmungstäter. Entscheidend,  so Vahrner weiter, ist das WIE in der Berichterstattung:  Opfer- und Täterschutz – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – müssen gewährleistet sein, der Ethikkodex des Journalismus verbietet es, Gräueltaten aus Sensationslust in allen Details zu beschreiben und Fotos von Toten oder blutüberströmten Verletzten zu veröffentlichen. Großen Handlungsbedarf sieht Vahrner im Internet und bei sozialen Netzwerken, wo die Gefahren sehr groß und die gesetzlichen Schranken zum Schutz von Kindern und Jugendlichen noch sehr lückenhaft sind. 

Weiter vertieft wurde das Thema bei der anschließenden Diskussionsrunde, an der neben Alois Vahrner auch Toni Ebner, Chefredakteur der Tageszeitung „Dolomiten“, und RAI-Journalist Lucio Giudiceandrea teilnahmen. Giudiceandrea zeigte die Unterschiede zwischen dem österreichischen und italienischen Presserecht und deren Anwendung in der Praxis auf und unterstrich die intensive Berichterstattung über Gewaltthemen in den italienischen Medien

Toni Ebner nahm zur Sensibilisierungskampagne „Stopp der Gewalt“ in der Tageszeitung „Dolomiten“ Stellung, die aufgrund von zunehmenden Gewaltübergriffen in Südtirol vor einiger Zeit ins Leben gerufen wurde. Damit wurde der Bevölkerung ein Sprachrohr gegeben, Personen wurden motiviert, Übergriffe verstärkt zur Anzeige zu bringen und der Druck auf Ordnungskräfte und Politik konnte erhöht werden. „Medien sind der Spiegel der Gesellschaft“, meinte Ebner und brach eine Lanze für eine verantwortungsvolle,  seriöse und ethische Berichterstattung, welche vor allem die Würde, Privatsphäre und den Schutz der Opfer und seiner Angehörigen wahrt. 

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, verwies auf die Bedeutung eines gemeinsamen Wertesystems, dem sich die meisten Mitbürger moralisch und ethisch noch verpflichtet fühlten. Das sei neben wirtschaftlichem Wohlergehen eine wichtige Basis, um Gewalttaten zu verhindern und Probleme im Dialog zu lösen. 

Als Moderatorin führte RAI-Südtirol Journalistin Gudrun Esser durch den Abend.

Film Presseempfang 2015

Presseempfang 2014: Gibt es Medien für Europa?

Der Rolle der Massenmedien wurde bislang in diesem Zusammenhang nur wenig Aufmerksamkeit  geschenkt. In ihrer öffentlichen Funktion, als vierte Gewalt sollen die Medien eine gemeinsame Identität unter EU-Bürgern stiften. Sie sollen durch hinlänglich breite und tiefe Information den transnationalen Diskurs fördern, die politische Kommunikation über Europa demokratisieren und die EU legitimieren helfen.
 
Tatsächlich fristet Europa aber als Kommunikationsgegenstand in den Medien eher ein Schattendasein. Europa wird allzu oft auf ökonomische Aspekte reduziert und auf die nationale Perspektive heruntergebrochen. Ein europaweiter, europabezogener politischer Diskurs wird oft angemahnt und findet doch nur selten statt.  Vor den Europawahlen vom 22. bis 25. Mai dieses Jahres soll es erstmals eine europaweit ausgestrahlte TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten der Parteiengruppen geben.  Ist das der richtige Weg? Welche Initiativen müssen folgen? Braucht es eine publizistische Lobbyarbeit, um den weiteren Einigungsprozess der EU-Staaten medial zu begleiten?
 
Referiert zu diesem Thema hat am 14.02.2014 ausgiebig Frau Dr. Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin der Tageszeitung „Der Standard“ in Wien und eine der profiliertesten Wirtschaftsjournalistinnen Österreichs.
 

Film Presseempfang 2014

Presseempfang 2013

Gastreferat Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und Leiter der Redaktion Innenpolitik am 14.02.2013:
"Die Zeitung ist tot. Es lebe die Zeitung. Von der Zukunft von Presse und Journalismus in den Zeiten des Internets"