Sparpaket und Wirtschaftskrise
Großes Interesse an der Veranstaltungsreihe der Raiffeisenkassen in Meran, Bozen, Brixen und Schlanders. Thema Sparpaket und Wirtschaftskrise.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe informierten die Südtiroler Raiffeisenkassen kürzlich über die aktuelle Entwicklung in der Schuldenkrise und über die Auswirkungen des italienischen Sparpaketes. Insgesamt 600 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich direkt von Fachleuten informieren zu lassen. „Als Genossenschaftsbanken wollen wir aufklären und Hintergründe aufzeigen, denn viele Menschen fühlen sich verunsichert“, sagte Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, beim Informationsabend in Bozen. Hauptreferent Michael Atzwanger, Vorstand der AlpenBank AG, skizzierte die Voraussetzungen, um Italien aus der Krise zu führen und nannte als wichtigste Problemfelder das niedrige Wirtschaftswachstum, die hohe Staatsverschuldung, die Euro-, und Bankenkrise, die es zu lösen gilt. Zu schaffen mache Italien auch die große Kapitalflucht, die Schattenwirtschaft (35% des BIP), die Steuerbelastung (höchste in Europa), die geringe Produktivität, die niedere Nettoentlohnung und die hohe Zinsbelastung, welche die Unternehmensentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit hemme. Die Liberalisierungsmaßnahmen Montis gingen in die richtige Richtung, weil sie darauf abzielten, das Wirtschaftswachstum zu fördern, den Konsum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Für einen spürbaren Effekt brauche es mehrere Jahre und eine stabile Regierung über Jahre. Trotz erdrückender Probleme stehe Italien wirtschaftlich nicht so schlecht da, sondern vor allem finanziell. Nicht Pessimismus sondern Realismus sei gefragt. „Es braucht rasche und mutige Entscheidungen und in dieser Hinsicht hat Monti durchaus schon überrascht“, meinte Atzwanger.
Podiums- und Publikumsdiskussion
Im Mittelpunkt einer von Willy Vontavon geleiteten Podiums- und Publikumsdiskussion mit Michael Atzwanger, Wirtschaftsjournalist Alexander Brenner-Knoll, Georg Lun vom WIFo der Handelskammer Bozen und Paul Gasser standen u. a. die Themen Eurostabilität, soziale Absicherung, Jugendarbeitslosigkeit, Arbeitsmarktreform, die Rahmenbedingungen für Unternehmen und die Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung. „Europa muss noch stärker auf neue Technologien und Innovation setzen, um Produktivität und Wachstum zu fördern“, meinte Lun. In einer regen Fragerunde äußerten viele Teilnehmer Verständnis für die Spar- und Liberalisierungsmaßnahmen, sofern damit die Krise bewältigt werden könnte und nicht ständig neue Sparpakete hinzukämen. Die Fragen drehten sich um die Sicherheit der Staatspapiere, die Macht der Ratingagenturen, die restriktive Kreditvergabe der Banken und den vermehrten Liquiditätsmangel.
Lokale Wirtschaftskreisläufe stärken
Paul Gasser betonte, dass die zunehmende Liquiditätsknappheit auch die Raiffeisenkassen berühre. So seien etwa im Geschäftsjahr 2011 bereits mehr Kredite vergeben worden als Einlagen verfügbar waren. Gasser erinnerte an das über Jahrzehnte reibungslose Funktionieren der örtlichen Wirtschaftskreisläufe durch ein gesundes Kreditsystem. Wenn die lokale Wirtschaft weiter wachsen soll, müssten die Sparer vermehrt ihre verfügbaren Gelder bei den lokalen Banken deponieren und nicht ins Ausland schaffen. Das Verständnis dafür, dass die Raiffeisenkassen als örtliche Genossenschaftsbanken die Gelder der Sparer wieder in die lokalen Wirtschaftskreisläufe investieren, habe sich seit der Finanzkrise 2008 zwar deutlich verstärkt, müsse aber noch weiter im Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung verankert werden.

